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Zwischen Ideal und Moral
150 Jahre Körperbilder aus der Sammlung Fotografie des Münchner Stadtmuseums
// 12.02.2011 – 01.05.2011 //

Trotz medialer Überflutung haben Körperbilder bis heute nichts von ihrer Anziehungskraft verloren. In der Fotografie spielt die Darstellung des Akts sogar eine zentrale Rolle. Der Entwicklung dieses Genres widmet sich die Ausstellung Zwischen Ideal und Moral aus der Sammlung Fotografie des Münchner Stadtmuseums. 

Schlüsselwerke der Fotokunst zeigen die Geschichte des Körperbildes von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis in die Gegenwart. In rund 200 Fotografien werden Techniken, Stilauffassungen, Schönheitsideale und Moralvorstellungen verschiedener Epochen nachvollziehbar.

Am Anfang der Aktfotografie standen "Akt-Daguerreotypien", kostbare Unikate für den privaten Gebrauch. Parallel dazu entstanden ab der Mitte des 19. Jahrhunderts sogenannte fotografische "Akademien", Musterblätter, die Malern und Künstlern als preiswerte Studienvorlage dienten und zugleich die Aktfotografie als künstlerisches Ausdrucksmittel etablierten. Die Anhänger der Piktorialisten orientierten sich Ende des 19. Jahrhunderts an der zeitgenössischen Malerei. Mittels aufwändiger Druckverfahren wollten sie in ihren Fotografien eine "malerische" Wirkung erzeugen. 

Zu völlig neuen Bildlösungen gelangten ab den 1920er Jahren die Vertreter der "Neuen Sachlichkeit", des "Neuen Sehens" und des "Surrealismus". In dieser Zeit wird die Fotografie zum Leitmedium und beeinflusste ihrerseits Malerei und Bildhauerei.

An dieses Verständnis knüpften etliche Fotokünstler wie Heinz Hajek-Halke und Willy Zielke nach dem Zweiten Weltkrieg an, während Künstler wie Josef Breitenbach auf Natürlichkeit und Klarheit setzten. In den 1970er Jahren reflektiert die Nacktheit in "Body-Art" und "Performance-Kunst" politische Erfahrungen wie Gewalt und Unterdrückung und wird zum Ausdruck körperlicher Selbsterfahrung. Mit der digitalen Fotografie eröffnet sich der Aktdarstellung eine neue Dimension. In einem oftmals übersteigerten Exhibitionismus senden die Bilder von Nacktheit heute nicht nur Signale von Freiheit und Aufklärung aus, sondern sind Zeugnisse des verletzten oder ausgebeuteten Körpers.

Kurator: Dr. Ulrich Pohlmann, Sammlung Fotografie, Münchner Stadtmuseum.


Katalog zur Ausstellung
Nude Visions  150 Jahre Körperbilder in der Fotografie, Hrsg.: Ulrich Pohlmann, mit Texten von Margarete Gröner, Ulrich Pohlmann, Rudolf Scheutle, Petra Steinhardt, Kehrer-Verlag, Heidelberg 2009, 416 S., 220 Abb., Softcover, Museum: 20 Euro, Buchhandel: 39,90 Euro.

Flyer Ideal und Moral.pdf

Abb.: Stefan Moses, Bodypainting, 1967, © Stefan Moses Archiv im Münchner Stadtmuseum