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Karl Schmidt-Rottluff. Reiner Ausdruck
// 10.10.2015–24.01.2016

Bei der Beachtung und Wertschätzung, die die Klassische Moderne erfährt, ist es verwunderlich, dass der Maler Karl Schmidt-Rottluff (1884-1976) weniger im öffentlichen Bewusstsein präsent ist als beispielsweise sein Jugendfreund Erich Heckel oder Ernst Ludwig Kirchner, der Wortführer der Künstlergemeinschaft „Brücke“. Deren vier Gründungsmitglieder strebten neue Ausdrucksformen jenseits der naturalistischen Darstellung an und wurden durch die expressive Farbgebung und die Vereinfachung der Formensprache zu Pionieren der modernen Malerei.

Aufgrund seines langen, erfüllten Lebens begann die kunsthistorische Rezeption des Werks von Schmidt-Rottluff vergleichsweise spät. So war der Künstler über siebzig Jahre alt, als 1956 die erste Monografie erschien. Und obwohl Schmidt-Rottluff wesentlich an der künstlerischen Ausformulierung des Expressionismus beteiligt war, passten weder die innovativen Stilmittel noch der revolutionäre Impetus der Künstlergemeinschaft „Brücke“ zu seiner bürgerlichen Haltung und Wesensart.

Um künstlerisch produktiv zu werden, brauchte Schmidt-Rottluff einen immer wiederkehrenden Jahres- und Lebensrhythmus im Einklang mit der Natur. Daher machte er sich früh rar und war ein Einzelgänger, der zugleich die künstlerischen Ideale der „Brücke“ wie kein anderer lebte und verkörperte. Hier setzt die Ausstellung an, die die Einzigartigkeit von Werk und Person Schmidt-Rottluffs veranschaulicht. Sein Gesamtwerk wird in dieser Retrospektive mit außergewöhnlichen Gemälden gewürdigt und erfahrbar: Neben seiner Bedeutung für den Expressionismus wird der Fokus insbesondere auf die nach 1945 entstandenen Werke gerichtet. Darin hat Karl Schmidt-Rottluff den Expressionismus nochmals neu und durchaus modern definiert.

Die Jubiläumsausstellung zum 5-jährigen Bestehen der Kunsthalle Vogelmann ist ein selbstbewusstes Signal, das nur durch das vorbildliche Miteinander unterschiedlichster Partner, Freunde und Förderer möglich wurde. Sie entstand in Kooperation mit dem Brücke-Museum Berlin, dessen Gründung Karl Schmidt-Rottluff und seine Frau Emy durch eine großzügige Schenkung beförderten, und versammelt über 90 Gemälde, Aquarelle und Druckgrafiken des Künstlers.


Zur Ausstellung erscheint ein Katalog im Hirmer-Verlag, München, mit Abbildungen aller Werke, Umfang ca. 160 Seiten, herausgegeben von Dr. Marc Gundel und Prof. Dr. Magdalena M. Moeller. Preis während der Ausstellung ca. 29 Euro an der Museumskasse (kein Versand).


Termine Karl Schmidt-Rottluff
Flyer Karl Schmidt-Rottluff 


 Hörfunkbeitrag swr2


 

Abb.: Blauer Mond, 1920, © VG Bild-Kunst Bonn, 2015