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Zum 80. Geburtstag
Robert Förch. Rückblick auf sechs Jahrzehnte Grafik
// 05.06.2011 – 23.10.2011 //

Die Welt ist zu vielfältig, als dass man sie einfach nachbilden könnte. Robert Förch, der insbesondere Europa unermüdlich bereist hat, nähert sich dieser Welt als Spurensucher. Er ist dabei nicht Reisekünstler beziehungsweise Vedutenzeichner und er ist im Sinne des Wortes auch kein Neu-Gieriger: Vielmehr ist er ein Staunender, der sich vom Linienspiel eines Backsteinpflasters auf dem Kirchplatz mitnehmen lässt wie von einem aufflatternden Vogelschwarm; ein Werbespruch an der verwitterten Hauswand inspiriert ihn gleichermaßen wie die Spiegelung in einem Fenster.

Architektur ist für Förch Teil der menschlichen Natur, wie die Landschaft Bestandteil der Kultur ist – der Mensch steckt als Macher, Verursacher, Schöpfer und Zerstörer hinter all den Bildern, und das, obwohl er als Protagonist kaum in Erscheinung tritt. Das übernehmen oft Stühle oder, in einer filigranen Überzeichnung der Metaphorik, sogar die Schrift, die sich zur Literatur hin öffnet.

Robert Förch ist auch in der Wahl seiner Mittel ein Suchender: Mit dem Zeichenstift erkundet er die reale Welt mit archäologischem Feinblick, erfasst mit Hingabe Details, ohne sich in der Wiedergabe zu verzetteln. Im Aquarell, in der Aquatintatechnik oder Lithografie gibt er der Linie eigene Entfaltungsmöglichkeiten, die das Abbild zugunsten eines mal melancholischen, mal heiteren Symbolraums aufbrechen. Als einer der Pioniere des Linolschnitts erschließt sich der ehemalige Schüler Karl Rössings schließlich eine ganz eigene Bildwelt, die dem Betrachter nun seit 60 Jahren regelrechte Déjà-vu-Erlebnisse beschert, die Ausdruck allgemeingültiger, humaner Werte sind.

Günter Baumann, Stuttgart, 2011

Flyer Foerch.pdf

Abb.: Chioggia – an der Lagune, 2009, © Robert Förch, Foto: Archiv des Künstlers